Aktualisiert am 27.07.2026 · 4 Min. Lesezeit
Fusterlandia ist einer der ungewöhnlichsten Orte Havannas: ein ganzes Viertel, das der kubanische Künstler José Fuster über Jahrzehnte mit farbenfrohen Keramik-Mosaiken überzogen hat. Wände, Dächer, Bänke, Brunnen und ganze Häuserfronten im Fischerviertel Jaimanitas im Westen der Stadt sind mit Kacheln, Figuren und geschwungenen Formen bedeckt. Der Ort ist ein perfekter Halbtagesausflug abseits der Altstadt und dazu kostenlos. In diesem Guide erfährst du, wie Fusterlandia entstanden ist, was du dort siehst, wie du hinkommst und worauf du beim Besuch achten solltest.

Was ist Fusterlandia?
Fusterlandia ist kein Museum und kein Vergnügungspark, sondern ein echtes Wohnviertel, das zum begehbaren Kunstwerk geworden ist. Herzstück ist das Taller-Estudio José Fuster, das Wohnhaus und Atelier des Künstlers. Von dort hat sich die Kunst über Jahrzehnte in die Nachbarschaft ausgebreitet: Rund 80 umliegende Häuser tragen heute Mosaike, dazu Straßenzüge, Mauern, Bushaltestellen und ein kleiner Platz. Der Name "Fusterlandia" ist ein Spitzname, den Besucher und Medien dem Viertel gegeben haben.
Das Viertel liegt in Jaimanitas, einem ehemaligen Fischerort im Bezirk Playa im Westen Havannas, rund 20 bis 25 Kilometer vom historischen Zentrum entfernt. Die Motive sind unverkennbar kubanisch und mediterran zugleich: Hähne, Palmen, Boote, Sonnen und Gesichter, dazu Symbole der Santería, die kubanische Flagge, Zitate von José Martí und immer wieder verspielte, an Gaudí erinnernde Formen.
José Fuster: der "Picasso der Karibik"
Hinter dem Projekt steht José Rodríguez Fuster, geboren 1946 in Caibarién in der Provinz Villa Clara. Wegen seines verspielten, figürlichen Stils wird er oft als "Picasso der Karibik" bezeichnet. Fuster arbeitet seit den 1960er-Jahren als Maler und Keramiker und hat weltweit ausgestellt.
Die Idee zu Fusterlandia entstand nach Reisen nach Europa: Der Park Güell von Antoni Gaudí in Barcelona und die Arbeiten des rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși inspirierten ihn, sein eigenes Haus in Jaimanitas mit Mosaiken zu verkleiden. Aus dem Haus wurde nach und nach ein ganzes Viertel: Fuster verschenkte Mosaike an Nachbarn, verzierte ihre Fassaden und machte den einst unscheinbaren Ort zu einem Anziehungspunkt. Fuster lebt und arbeitet bis heute in Jaimanitas.
Was du in Fusterlandia siehst
Der Rundgang beginnt meist am Atelier und führt frei durch die umliegenden Gassen:
- Das Taller-Estudio José Fuster: das farbenprächtigste Gebäude, mit Türmchen, Innenhof, Skulpturen und einer kleinen Galerie
- Mosaik-Häuser der Nachbarschaft: rund 80 Fassaden, jede mit eigenen Motiven, von Meereswellen über Hähne bis zu Porträts
- Symbole und Botschaften: die kubanische Flagge, das Boot Granma, Anspielungen auf die Revolution und die Santería, Verse von José Martí
- Skulpturen und Bänke: gekachelte Sitzgelegenheiten, Brunnen und Tierfiguren im Freien
- Die Galerie: Original-Keramik, Teller, Kacheln und Grafiken von Fuster, die du direkt kaufen kannst
Plane für den Rundgang rund ein bis zwei Stunden ein. Weil Fusterlandia ein bewohntes Viertel ist, wirkt es lebendig und ungezwungen, du bewegst dich zwischen den Häusern der Anwohner.

Anreise nach Jaimanitas
Fusterlandia liegt außerhalb des touristischen Zentrums, ein Taxi ist der einfachste Weg:
- Taxi: vom Zentrum (Altstadt, Vedado) rund 30 bis 40 Minuten, je nach Verkehr; Kosten etwa 20 US-Dollar pro Strecke. Am besten den Rückweg gleich mit dem Fahrer vereinbaren oder ihn warten lassen, da vor Ort kaum Taxis stehen. Als Ziel "Casa de Fuster, Jaimanitas" angeben.
- Oldtimer-Taxi oder geführte Tour: viele Anbieter kombinieren Fusterlandia mit einer Stadtrundfahrt oder einem Stopp in Miramar; bequem, aber teurer als das normale Taxi.
- Öffentlicher Bus: günstig, aber umständlich, etwa mit den Linien P-1 oder P-10 Richtung Playa und dann einem lokalen Bus nach Jaimanitas. Für die meisten Reisenden lohnt sich der Aufwand nicht.
Ein Besuch lässt sich gut mit den westlichen Stadtteilen verbinden. Mehr zur Stadt selbst findest du in unserem Guide zur Hauptstadt Havanna, einen Überblick über die klassischen Ziele im Zentrum bietet unser Artikel zu den Sehenswürdigkeiten Havannas.
Besuchstipps
- Eintritt: kostenlos. Für den Erhalt der Kunst und Projekte im Viertel sind Spenden willkommen. Wer etwas kauft, unterstützt Fuster und die Nachbarschaft direkt.
- Öffnungszeiten: die Galerie im Atelier ist in der Regel vormittags bis nachmittags geöffnet, üblich sind etwa 9:30 bis 16:30 Uhr; gelegentlich schließt sie für private Veranstaltungen. Die Mosaike an Straßen und Fassaden lassen sich jederzeit von außen ansehen.
- Bargeld mitnehmen: vor Ort gibt es keine verlässliche Kartenzahlung. Wer Keramik kaufen möchte, sollte Bargeld dabeihaben.
- Zeitpunkt: vormittags ist es ruhiger und das Licht für Fotos gut; große Reisegruppen kommen eher mittags.
- Respekt vor den Anwohnern: Fusterlandia ist ein bewohntes Viertel. Vor Fotos von Menschen kurz fragen und die Privatsphäre der Bewohner achten.
- Kombinieren: Der Ausflug passt gut zu einem halben Tag im Westen Havannas, etwa mit einem Bummel durch Miramar. Fusterlandia zählt zu den lohnendsten modernen Kunstorten der Insel; weitere findest du in unserem Überblick zu den wichtigen Kulturstätten Kubas.
Häufige Fragen zu Fusterlandia
Was ist Fusterlandia?
Fusterlandia ist ein Wohnviertel im Stadtteil Jaimanitas im Westen Havannas, das der kubanische Künstler José Fuster mit farbenfrohen Keramik-Mosaiken überzogen hat. Herzstück ist sein Atelier, von dem aus sich die Kunst auf rund 80 umliegende Häuser ausgebreitet hat. Der Ort ist ein beliebter Halbtagesausflug abseits der Altstadt.
Was kostet der Eintritt in Fusterlandia?
Der Eintritt ist kostenlos. Spenden für den Erhalt der Kunst sind willkommen, und in der Galerie im Atelier kannst du Original-Keramik von José Fuster kaufen und ihn so direkt unterstützen. Nimm dafür Bargeld mit, da es vor Ort keine verlässliche Kartenzahlung gibt.
Wie komme ich von Havanna nach Fusterlandia?
Fusterlandia liegt in Jaimanitas, rund 20 bis 25 Kilometer westlich des Zentrums. Am einfachsten ist ein Taxi, das vom Zentrum etwa 30 bis 40 Minuten braucht und rund 20 US-Dollar pro Strecke kostet. Am besten vereinbarst du den Rückweg gleich mit dem Fahrer. Als Ziel gibst du "Casa de Fuster, Jaimanitas" an.
Wann hat Fusterlandia geöffnet?
Die Galerie im Atelier von José Fuster ist in der Regel vormittags bis nachmittags geöffnet, üblich sind etwa 9:30 bis 16:30 Uhr. Gelegentlich schließt sie für private Veranstaltungen. Die Mosaike an den Straßen und Fassaden des Viertels lassen sich jedoch jederzeit von außen ansehen.
Wer ist José Fuster?
José Rodríguez Fuster, geboren 1946 in Caibarién, ist ein kubanischer Maler und Keramiker, der wegen seines verspielten Stils oft "Picasso der Karibik" genannt wird. Inspiriert vom Park Güell des Architekten Antoni Gaudí begann er, sein Haus in Jaimanitas mit Mosaiken zu verkleiden, und verwandelte nach und nach das ganze Viertel in das heutige Fusterlandia.


